Oleh Lafoks
Im Bordlogbuch werde ich normalerweise als Oleg Lafoks geführt.
Meine aktuelle Adresse, vom Allgemeinen zum Konkreten: das beobachtbare Universum, der Laniakea-Superhaufen, die Lokale Gruppe, die Galaxie Milchstraße, der Orionarm (oder Orion-Sporn, wenn der Navigator streng ist), das Sonnensystem, der dritte Planet von einem gelben Zwerg, der Kontinent Eurasien, seine westliche Halbinsel, die man aus alter irdischer Gewohnheit Europa nennt, Berlin.
In Berlin bin ich irgendwie in eine Zusammenarbeit mit Alisa Lafoks geraten. So entstand Darwin’s Cat: Alisa schreibt, singt und holt aus der Gitarre Anzeichen intelligenten Lebens heraus, während ich Bass spiele, Soundproduktion mache und schwere Gegenstände übernehme, die sich aus irgendeinem Grund fast immer als Verstärker, Cabinets oder Kabelkisten herausstellen.
Über all dem steht Loki Lafoks. Formal ist er ein Kater. Faktisch ist er Diktator und künstlerischer Leiter. Alles läuft nach seinem Plan. Wir widersprechen nicht: Er hat Krallen und eine starke Verhandlungsposition.
Von Bass, Aufnahme und schwerem Equipment wird man manchmal körperlich müde, deshalb schalte ich auf Programmieren um: Ich baue kleine Audio-Tools in Sound Utils. Das ist ein anderer Modus im Kopf: weniger Lärm, mehr Logik, und trotzdem bleibt alles in der Nähe von Musik. Außerdem unterscheidet sich normale Arbeit im Prinzip nicht besonders von der Arbeit eines Bordingenieurs auf einem Raumschiff.
Außerdem muss gesagt werden: Ich liebe Bassgitarren. Besonders schwarze und blaue. Grünen und rosa Exemplaren begegne ich mit Misstrauen. Grünen Gitarren traue ich nicht. Weiße sind theoretisch zulässig, aber nur mit vier Saiten. Ein weißer Fünfsaiter-Bass? Wo gibt es denn so etwas.
Durch die Galaxie reisen klappt noch nicht so richtig: Ich stecke ein wenig in Berlin fest. Also fahre ich nach und nach durch Europa. Das Schwierigste unterwegs ist, ordentlich zu schlafen. Aber ich habe ein Geheimnis, und ich verrate es euch: Wenn man in einem Raumschiff schlafen muss, während die Triebwerke laufen, nimmt man einfach Ohrstöpsel. Ich benutze diese Technik im Zug, im Flugzeug oder im Bus.
Einen Fernseher habe ich nicht. Dieses komplizierte Gerät der Einheimischen habe ich nie gemeistert. Mit Büchern und Musik sind die Verhältnisse klarer.
Lieblingsfilme habe ich aus ungefähr demselben Grund auch nicht. Nach den allgemein anerkannten Werten der Galaxie ist die freiwillige Korrosion des eigenen Gehirns durch Informationsmüll ein Verbrechen gegen sich selbst und gegen andere. Sucht mich also nicht in sozialen Netzwerken. Ja, ich poste dort, aber aus Prinzip lese ich dort nichts.
Aus dem Sachbuchbereich liegen mir Brian Greene — „Bis zum Ende der Zeit“, David Graeber — „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“, Richard Dawkins — „Das egoistische Gen“, James Gleick — „Chaos: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft“, Carl Sagan — „Kosmos“, Carl Sagan — „Die von Dämonen heimgesuchte Welt“, Yuval Noah Harari — „Sapiens: Eine kurze Geschichte der Menschheit“, Yuval Noah Harari — „Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen“, Yuval Noah Harari — „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ und Yuval Noah Harari — „Nexus“ nahe. Und wenn ich ein kleines bisschen Realismus will — ja, das ist Sarkasmus — greife ich zu Vernor Vinge — „Eine Tiefe am Himmel“, Vernor Vinge — „Ein Feuer auf der Tiefe“, Robert Heinlein — „Starship Troopers“, Robert Heinlein — „Der Mond ist eine raue Herrin“, Andy Weir — „Project Hail Mary“, Andy Weir — „Artemis“, Isaac Asimov — „Foundation“ und Arthur C. Clarke — „Rendezvous mit Rama“.
Eine eigene Freude sind Datteln. In diesem Teil der Galaxie sind sie verdächtig selten, aber manchmal materialisieren sie sich trotzdem in Berliner Läden. Schmuggler vom Sirius schließe ich nicht aus. Obwohl die Theorie kosmischer Strömungen auch brauchbar wirkt.