Darwin's Cat
Martin Kidd und Victory. Röhren-Overdrive aus Röhren

Martin Kidd und Victory. Röhren-Overdrive aus Röhren

In meinem Kopf ist immer ein Sound, den ich mit einer bestimmten Schaltung erreichen will.
Martin Kidd · Chefkonstrukteur von Victory Amplification Reverb, 2016
Wer allein für seinen Gitarrensound verantwortlich ist, muss nach vorn in die erste Reihe gehen und zuhören.
Martin Kidd · Chefkonstrukteur von Victory Amplification Reverb, 2016

Oleh Lafoks

Martin Kidd in der Werkstatt. Foto: Victory Amplification, Seite „Our Story“
Martin Kidd in der Werkstatt. Foto: Victory Amplification, Seite „Our Story“

Martin Kidd hat nie Elektronik studiert. Seine einzige Qualifikation in Physik ist eine Schulprüfung. Er ist ein Gitarrist, der von Amps etwas ganz Bestimmtes wollte, und deshalb fing er an, sie zu konstruieren. Sein Sound lässt sich in unserem kostenlosen Plugin AmberPawAmp oder in den NAM-Captures von V4 The Copper, The Kraken und The Sheriff ausprobieren.

Kapitel eins. Ein Marshall für achtzig Pfund

England, Anfang der 1990er.

Kidd bringt sich alles selbst bei. Ein Reparaturtechniker aus der Gegend redet mit ihm, als verstünde er alles. Er versteht nur wenig, aber das Wenige, das ihm aus dem Physikunterricht geblieben ist, begeistert ihn.

Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Gitarrenunterricht.

Er hat einen Marshall Super Lead von 1969, gekauft für etwa achtzig Pfund. Viel wert waren die damals nicht. Der Amp wurde im Werk falsch gebaut: Ein Widerstand ist zehnmal so groß, wie er sein sollte.

Ein Freund von Kidd probiert einen Mod aus Aspen Pittmans The Tube Amp Book aus: einen Master hinter der Phasenumkehrstufe. Kidd macht dasselbe an seinem Marshall. Es funktioniert. Nichts brennt ab. „Ich bin immer noch da“, sagt er.

Hat er an zwei Abenden hintereinander zwei Gigs, spielt er sie durchaus auf zwei verschiedenen Schaltungen. Auf der Bühne merkt er sich, was nicht stimmt, und nachts zu Hause lötet er um.

Vieles in seinen späteren Konstruktionen entstand, um die Ohren und Augenbrauen derer zu schonen, die direkt vor der Box standen.

2016 baut, modifiziert und konstruiert er schon seit fünfundzwanzig Jahren Amps.

Kapitel zwei. Cornford

Unter Kidds Gitarrenschülern ist Paul Cornford. Eines Tages kommt Cornford mit einem Tweed-Fender-Princeton von 1961 und fragt: Könnten Sie so einen nachbauen? Kidd lehnt ab. Wenn er einen Amp baut, der auf eine bestimmte Art klingt, dann mit seiner eigenen Schaltung.

So entsteht der Cornford Harlequin und danach der MK50. Die Schaltungen zeichnet Kidd. Geld und Marketing sind Cornfords Sache.

Um 1998 wird der Harlequin in der Zeitschrift Guitarist getestet. Angefangen haben sie in einer Doppelgarage hinten in Cornfords Garten, später zogen sie in eine Gewerbehalle. So vergingen etwa zehn Jahre.

Dann ging alles schief. Die Firma, gibt Kidd zu, wurde nicht besonders gut geführt, und Cornford stellte den Betrieb ein.

Die Cornford-Amps hatte die Fabrik Straight Edge im Auftrag gebaut. Dort sah man, in welcher Lage der Konstrukteur steckte, und gab ihm einen Job.

Kapitel drei. Ein Konstrukteur, eine Fabrik und jemand, der verkauft

Lee Anderton, Mitinhaber des Musikgeschäfts Andertons in Guildford, verkaufte viele Cornfords, und das gern. Als die Marke verschwand, klaffte in seinem Sortiment eine Lücke. Bei der Fabrik auch: Ihr Auftrag für die Amps war zu Ende.

Anderton ruft in der Fabrik an. Man ist sich auf Anhieb einig: „Wir haben einen Amp-Designer, wir haben eine Fabrik, und wir haben jemanden, der sie verkaufen könnte.“

Ein paar Leute steigen mit kleinen Summen ein. Andertons Anteil am ersten Tag: 25.000 Pfund. Kidd nennt das Ganze ein Wagnis.

Victory wird nicht als Kapitalgesellschaft gegründet, sondern als britische Personengesellschaft (Partnership). So tauchen die Namen der Partner in keinem öffentlichen Register auf.

Die Fotos und die Website macht Mick Taylor, ein ehemaliger Redakteur von Guitarist und später einer der Moderatoren von That Pedal Show.

Einen Vertrieb in Großbritannien hat Victory nicht: Die Amps gehen direkt von der Fabrik zu den Händlern, und die Preise liegen unter denen vieler Boutique-Marken.

Am 2. Oktober 2013 kommt Victory mit drei handgebauten Amps auf den Markt: dem V10 The Baron, dem V50 The Earl und dem V100 The Duke. Der Baron hat zwei Endröhren unterschiedlichen Typs, eine 6L6 und eine EL84, jede mit eigenem Master.

Im V100 stecken 6L6. Das wurde entschieden, als die Prototypen mit dem ersten Künstler der Marke getestet wurden, Guthrie Govan. Govan hielt sich für einen EL34-Typ, wählte im Blindtest aber die 6L6.

Die Namen sind Adelstitel. Wer sie sich ausgedacht hat, weiß Kidd nicht mehr. Der Name The Duke gehörte, wie sich herausstellte, schon jemand anderem und musste weg.

Die ersten Amps verkaufen sich nicht. Anderton nennt das Victory jenes Jahres ein Projekt fürs eigene Ego.

Kapitel vier. Ein Ausdruck von der EasyJet-Website

Guthrie Govan bittet um einen Amp, der ins Gepäckfach über dem Sitz eines Billigfliegers passt. Das Lastenheft: ein Ausdruck von der EasyJet-Website mit den erlaubten Maßen für Handgepäck. Kidd schafft es in etwa zwei bis drei Wochen: Govan hat bald einen Auftritt in Fernost.

Der erste Prototyp ist der Aufgabe nicht gewachsen. Die Zerre passt fast, aber dem Cleansound fehlt Headroom. Dreißig Watt sind zu wenig. Kidd stellt die Endstufe von Kathoden-Bias auf Fixed Bias um und bekommt etwa 42 Watt. Der Prototyp geht zu Govan zurück, ein kleines bisschen schwerer.

Beim Boarding bei Billigfliegern, erzählt Govan, hält man das Case mit dem Amp für eine Kameratasche.

Lunchbox-Amps gab es schon vor Victory. Kidd selbst nennt die Vorgänger, den Linear Concord und den Orange Tiny Terror. Aber die meisten hatten etwa 15 oder 20 Watt, und er wollte den vollen Klang von 50 Watt aus kleinen Trafos in einem kompakten Chassis.

Im Frühjahr 2014 erscheint der V30 The Countess für 799 Pfund. Anderton erinnert sich: vierhundert Bestellungen in einer Woche, und das Demo hatte er in seinem eigenen Keller gedreht. Aus dem verlustreichen Spielzeug Victory wird ein Geschäft.

Nach dem V30 wird Victory endlich ernst genommen. Guitarist verleiht ihm „Guitarist Choice“ und „Gear Of The Year 2014“.

Kapitel fünf. Duchess, Kraken, Sheriff, Copper

Im Dezember 2014 erscheint der V40 The Duchess: ein Amp für Blues- und Roots-Gitarristen, die nach einem Amp gefragt hatten, den es scheinbar nicht gab.

2015 bittet Rabea Massaad, ein Mann, der sich mit Gain auskennt, um einen kompakten Amp für modernen Metal und tiefe Stimmungen. Er selbst hatte einen Marshall JCM900 Dual Reverb und einen 5150 gespielt. Kidd findet heraus, dass die Zerre des JCM900 fast bis zur Klangregelung auf Transistoren beruht, und das will er nicht. Einen Soldano als Grundlage zu nehmen, kommt auch nicht in Frage: nur eine eigene Schaltung. Der erste Kraken-Prototyp hat zu viel Gain, und der Bass muss noch straffer werden. Am Ende beschreibt Kidd den ersten Kanal als JCM800 mit mehr Gain und den zweiten als 5150 mit weicherer Ansprache.

Im selben Jahr wird bekannt, dass Dave Murray seine Parts für The Book of Souls von Iron Maiden über einen V100 und eine V412-Box eingespielt hat. Den Tipp, bei Victory anzurufen, gab ihm sein Techniker. Auf Tour ging der V100 nicht mit: Sein Switching-System hätte noch ein Interface gebraucht, und dafür reichte die Zeit nicht.

2016 erscheint der Sheriff: klassische britische Zerre, inspiriert vom Plexi-Sound der Sechziger. Kidd erinnert sich, dass die alten Amps etwas ungeschliffen zerrten, an der Grenze zum Harschen, aber im Mix erfüllte diese Härte ihren Zweck und half der Gitarre, sich durchzusetzen. Statt eines Low-Power-Modus bekam der Sheriff 22 einen separaten eingebauten Power Soak, der die Leistung auf 0,3 Watt senkt, damit sich ein voll aufgedrehter Amp in Schlafzimmerlautstärke spielen lässt.

Beim Sheriff 25 wurde Kidd klar, dass der „Vintage-Marshall“ in den Köpfen der Leute meistens ein Marshall ist, den einst jemand wie José Arredondo umgebaut hat. Derselbe José, zu dem Dave Friedman mit achtzehn seinen Amp zum Umbau brachte. Kidd entscheidet sich für einen Hot-Rod-Entwurf. Andere nehmen in solchen Fällen Clipping-Dioden oder Transistoren, die als Dioden arbeiten. Er will „Röhren-Overdrive aus Röhren“. Die Endröhren EL86 schlug der Lieferant vor. Kidd hatte noch nie von ihnen gehört und senkte die Spannung an ihren Schirmgittern.

2017 erscheint der RK50, entwickelt zusammen mit Richie Kotzen.

2019 kommt der VC35 The Copper. Kidd wurde ständig gefragt, ob Victory etwas wie einen Vox AC30 habe. Hatte es nicht. Der Copper wurde sein AC30 für vernünftige Lautstärken. Zwei 12AX7, eine EF184-Pentode und vier EL84 liefern 35 Watt oder 12 im Low-Power-Modus. Die EF184 arbeitet als Kathodenfolger und treibt die Klangregelung. Bei voller Leistung ist der Bias gemischt, Kathoden- und Fixed Bias, bei geringer Leistung reiner Kathoden-Bias.

2020 wurde der V30 The Countess in The Jack umbenannt, nach jack-of-all-trades, Hansdampf in allen Gassen. Im selben Jahr nehmen Victory und Two Notes die Victory-Boxen für DynIR auf.

Kapitel sechs. Röhren aus dem Bunker

Freunde und Kunden wünschten sich schon lange den „Victory-Sound“ in einem Pedal. Aber der Markt war ohnehin mit Overdrive-Pedalen jeder erdenklichen Art gesättigt. Das Wortspiel ist, wie Victory zugibt, beabsichtigt.

Den Ausschlag gaben die Röhren. Eines Tages fragt der Röhrenlieferant: „Ich habe jede Menge davon, alle von Philips oder Mullard oder wem auch immer. Meinen Sie, Sie könnten damit etwas anfangen?“ Es sind CV4014, auch bekannt als EF91. Sonst würden sie auf der Deponie landen. Über sie gibt es so gut wie nichts, und kein Gitarrenamp hat je solche Röhren benutzt. Da hilft nur ausprobieren.

Die CV4014 ist eine kleine Signalpentode mit sieben Stiften, etwas kleiner als die vertraute 12AX7. Sie ist eine besonders zuverlässige Militärversion der EF91, gebaut, um Vibrationen auszuhalten, auch in Flugzeugen.

Die Röhren in den V4-Pedalen wurden 1981 im Mullard-Werk in Mitcham, Surrey, für das britische Verteidigungsministerium gebaut. Dann kamen sie in das Versorgungsdepot der Royal Navy in Spring Quarry, Wiltshire, tief unter der Erde, Teil eines riesigen Bunkers aus dem Kalten Krieg. Der Bunker wurde zum Glück nie gebraucht. Vierzig Jahre lang war er nur ein extrem teurer Lagerort für Röhren, die darauf warteten, dass jemand Produkte um sie herum entwickelt. So steht es in der Bedienungsanleitung, mit Smiley.

Die erste Stufe übernimmt eine rauscharme EC900-Triode, gebaut im ehemaligen Jugoslawien in Lizenz von Philips und Mullard. Victory verlängert die Garantie auf diese Röhren von 90 Tagen auf zwei Jahre: Nach Militärspezifikation sind sie für mindestens 6.000 Stunden ausgelegt.

V4 The Copper von oben: Gain, Bass Mode, Tone und der Fußschalter Treble Boost. Foto: Future / Phil Barker, Guitar World
V4 The Copper von oben: Gain, Bass Mode, Tone und der Fußschalter Treble Boost. Foto: Future / Phil Barker, Guitar World

Im Sommer 2018 werden auf der NAMM die V4-Pedale gezeigt: The Countess, The Sheriff und The Kraken, für je 349 Pfund. Im November 2020 kommt The Copper dazu. Soweit Victory weiß, hatte vor ihnen niemand vier Röhren und einen reinen Röhren-Signalweg in ein Pedal gesteckt.

Dann bekam der Pedal-Preamp eine Endstufe dazu: 2020 erschien der V4 Duchess, ein leichter Class-D-Transistorverstärker mit 180 Watt. Das Modul hätte bis zu 210 hergegeben, aber solche Module verzerren bei Überlastung nicht, sie schalten einfach ab, und Kidd wollte keinen Limiter bauen. Eine Boxenemulation ließ man beim Duchess bewusst weg: Jeder hat seine eigenen IRs. Und 2021 kam der V4 Kraken schon mit einer Boxensimulation von Two Notes an Bord.

Exkurs für Ingenieure. Nicht davor, sondern stattdessen

Die wichtigste Entscheidung hinter dem V4 steht in der Bedienungsanleitung: Das Pedal kommt nicht vor die Vorstufe des Amps, sondern an ihre Stelle. Es ist kein Overdrive, sondern das Frontend eines Röhrenamps in einem Stahlgehäuse. „Haben wir das jetzt oft genug gesagt?“, fragt die Anleitung.

Kidd erklärt es einfacher. Wenn ein Amp einen großartigen Clean-Kanal hat, Dr. Jekyll aber eine neue Mr.-Hyde-Seite braucht, dann ist der V4 dieser Mr. Hyde.

Alles andere folgt aus dieser einen Entscheidung.

Es braucht echte Anodenspannung. Das Pedal bekommt 12 Volt und 800 Milliampere, für ein Pedal sehr viel, und während die Heizung warm wird, zieht es das Dreifache. Die Hochspannung liefert ein Aufwärtsschaltwandler mit dem Chip MAX1771: Er braucht wenige Bauteile drumherum und nimmt auf der Platine kaum Platz ein. Am schwierigsten ist das Rauschen. Der Wandler schaltet mit Hunderten Kilohertz. Das Pfeifen selbst hört man nicht, aber die Störung kriecht über die Masse. Deshalb hat jede Spannung ihre eigene, getrennte Masse.

Die Anodenspannung ist niedriger als in großen Topteilen. Kidd glaubt, dass man das hört: Die Welle fängt anders an zu verzerren, und die Mitten werden voller und angenehmer.

Der Ausgang liefert Line-Pegel, höchstens 0,9 Volt. Eine Boxenemulation oder Endstufe hat das Pedal nicht, und eine Loadbox kann es nicht treiben. Dafür gibt es den Modus Amp Through: Ist das Pedal an, läuft das Signal durch seine Vorstufe in die Endstufe des Amps; ist es aus, arbeitet wieder die Vorstufe des Amps selbst.

Den Bright-Schalter gibt es, weil das Pedal Endstufen treiben muss, die es nie gesehen hat. Effektwege sind höchst unterschiedlich. Die Anleitung warnt: Die Stellung, die am weitesten von der eigenen Lieblingseinstellung entfernt ist, kann so klingen, als sei das Pedal kaputt. Ist es nicht.

Das Copper-Pedal hat seine eigene Geschichte. Ein Treble Booster ist traditionell ein Gerät mit einem einzigen Transistor. Kidd baute seinen mit einer Röhre. Der Tone-Regler schließt die beiden gegenphasigen Ausgänge der letzten Röhrenstufe ganz, teilweise oder gar nicht kurz: Das Ergebnis ist eine Höhenabsenkung. Und der Bass Mode des Copper-Pedals hat drei Stellungen, nicht zwei wie am Topteil: Voller Bass auf dem geboosteten Kanal wird zu Matsch, deshalb wird der Bass in einer Stellung nur auf diesem Kanal abgesenkt.

Ein roter Faden zieht sich durch alles. Die Zerre des JCM900 ist transistorbasiert, Kidd macht seine mit Röhren. Der Sheriff 25 verlangte nach Dioden, er setzt Röhren ein. Ein Booster wird normalerweise mit einem Transistor gebaut, er baut ihn mit einer Röhre. Und wo Silizium doch nötig ist, in der Class-D-Endstufe der V4-Amps, sitzt eine Valve Response Circuit, damit sich die Endstufe wie eine Röhrenendstufe anfühlt.

Und der Master. Kidd setzt ihn bis heute hinter die Phasenumkehrstufe, wie bei jenem ersten Marshall-Mod, im V40, im Copper und im Sheriff: Ein guter Teil der Endstufenzerre entsteht in der Phasenumkehrstufe, nicht nur in den Endröhren. Friedman hält nichts von so einem Master: Er setzt die Gegenkopplung außer Gefecht. Zwei Master, zwei Antworten.

2016 sagte Kidd, der Sound eines Amps hänge fast ganz von der Schaltung ab, nicht von der Wahl zwischen EL34 und 6L6, und alte NOS-Röhren seien nicht unbedingt besser. Zwei Jahre später wurde eine ganze Serie um alte Röhren herum gebaut. Nicht weil sie magisch sind. Sie sind klein und robust, und es gibt genug davon, um jahrelang Pedale zu bauen und Ersatz vorzuhalten.

Kapitel sieben. Was wurde aus Victory?

Martin Kidd lötet ein handverdrahtetes Chassis. Foto: Victory Amplification, Seite „Our Story“
Martin Kidd lötet ein handverdrahtetes Chassis. Foto: Victory Amplification, Seite „Our Story“

2023 nennt der YouTuber KDH Andertons Beteiligung an Victory „Andertons Big Secret“. Anderton erklärt: Er hatte befürchtet, dass andere Händler, vor allem britische, keine Marke führen wollen, die mit Andertons verbunden ist. Und er gibt zu, dass er offener damit hätte umgehen können. Die britische Werbeaufsicht fordert ihn auf, in jedem Video seine finanziellen Interessen offenzulegen, und das tut er fortan.

Kidds Antwort ist kurz: Anderton gehört Victory nicht, er hat investiert. Manche erwarteten den Anfang vom Ende. Nichts hat sich geändert.

2024 wird Victory zehn, und die MK-Serie erscheint: MK für Martin Kidd. Der MK Overdrive entstand aus den vielen Wünschen nach einer Neuauflage des Cornford MK50 Mk II. Jeden MK-Amp prüft und signiert Kidd persönlich, bevor er die Fabrik verlässt.

Chef der Firma wurde er nie, und er bereut es nicht: Am besten kann er Schaltungen entwerfen und feinschleifen. Er arbeitet meist von zu Hause aus und bleibt in der Fabrik technischer Berater. Victory-Amps werden in England gebaut.

Ende 2025 bittet der blinde Gitarrist Anthony Ferraro darum, einen Duchess MKII ausprobieren zu dürfen. Victory baut ihm einen Amp mit einem Bedienfeld in Brailleschrift. „Mann, das ist ein Amp!“ Das Unboxing-Video haben zig Millionen Menschen gesehen. Heute baut Victory auf Wunsch in jeden seiner Amps kostenlos ein Braille-Bedienfeld ein.

2026 erscheint die PowerValve 200, eine Endstufe für digitale Rigs. Darin arbeitet wieder dieselbe CV4014.

Kidd ist sicher, dass Röhrenamps nicht verschwinden. Man dreht sie auf, bis sie im Grunde nicht mehr richtig funktionieren, denn genau darauf sind die Spieler aus. Und ein Modell oder Profil desselben Amps, sagt er, fühlt sich nicht genauso an. Wobei er ehrlich zugibt, dass solche Geräte weit vielseitiger sind.

Epilog. Röhren-Overdrive aus Röhren

Auch diese Geschichte hat eine Symmetrie.

Kidd fing damit an, dass er in einem Buch von einem Mod las und einen Master hinter die Phasenumkehrstufe eines Marshall für achtzig Pfund setzte. Mehr als dreißig Jahre später stehen seine Initialen auf Amp-Bedienfeldern, und der MK Overdrive bringt seinen Cornford MK50 zurück.

Er kopiert nicht gern. Wenn ein Amp herauskommt und den Leuten gefällt, will er das Gefühl haben, dass er das gemacht hat.

Elektronik hat er nie studiert. Er wollte einfach Röhren-Overdrive aus Röhren.


Auf unserer Website ist Victory mit dem kostenlosen Plugin AmberPawAmp und den NAM-Captures der Pedale V4 The Copper, The Kraken und The Sheriff vertreten.

Quellen

  1. Our Story, victoryamps.com, auf Englisch

  2. Victory Amplifiers ready to launch, MusicRadar (2013), auf Englisch

  3. About us, victoryamps.com (2013), Kopie in der Wayback Machine, auf Englisch

  4. V30 The Countess debuts Spring 2014, victoryamps.com (2014), Kopie in der Wayback Machine, auf Englisch

  5. V40 The Duchess and V40 The Viscount, victoryamps.com (2014), Kopie in der Wayback Machine, auf Englisch

  6. V100 played by Dave Murray on The Book Of Souls, victoryamps.com (2015), Kopie in der Wayback Machine, auf Englisch

  7. Valve Vernacular: A Chinwag with Martin Kidd of Victory Amps, Reverb (2016), Kopie in der Wayback Machine, auf Englisch

  8. The unstoppable rise of Victory Amps, Guitar World (2024), auf Englisch

  9. Victory Announces Three New All-Valve Pedal Preamps, Guitar World (2018), auf Englisch

  10. Victory unveils all-valve V4 Series Pedal Preamps, MusicRadar (2018), auf Englisch

  11. NAMM 2020: Victory’s V4 Duchess, MusicRadar (2020), auf Englisch

  12. Victory V4 Kraken pedal-format guitar amp, MusicRadar (2021), auf Englisch

  13. Lee Anderton responds to questions over Victory Amps ownership, Guitar World (2023), auf Englisch

  14. Lee Anderton will be declaring any personal financial interest, Guitar World (2023), auf Englisch

  15. NAMM 2024: Deputy, MK Clean and MK Overdrive, MusicRadar (2024), auf Englisch

  16. Victory Braille Initiative, victoryamps.com (2026), auf Englisch

  17. Victory sends blind guitarist custom braille amp, Guitar.com (2026), auf Englisch

  18. V4 Series Pedal Preamplifiers User Guide, Victory Amplification (2025), auf Englisch

  19. V4 The Copper, victoryamps.com, auf Englisch

  20. V4 The Kraken Guitar Amp, victoryamps.com, auf Englisch

  21. Victory V4 The Copper preamp pedal review, Guitar World (2021), auf Englisch

  22. Victory Amps launches PowerValve 200, Guitar.com (2026), auf Englisch

  23. Victory Amps MK Clean & OD with Martin Kidd & Lee Anderton, That Pedal Show (2024), Video, auf Englisch

  24. Ep. 85: Martin Kidd of Victory Amps, Tone-Talk (2020), Video, auf Englisch

  25. From Cornford to Victory: Martin Kidd’s Story, Products of Music (2026), Video, auf Englisch

  26. The Victory Ranges & Families Explained, Part 1: The Copper, Victory Amplifiers (2026), Video, auf Englisch

  27. The Victory Ranges & Families Explained, Part 2: The Sheriff, Victory Amplifiers (2026), Video, auf Englisch

  28. The Victory Ranges & Families Explained, Part 3: The Kraken, Victory Amplifiers (2026), Video, auf Englisch

  29. Victory V4 The Copper Preamp Pedal with Martin Kidd and Pete Honore, Victory Amplifiers (2020), Video, auf Englisch

  30. Guthrie Govan Victory Amplifiers Clinic & Interview, Victory Amplifiers (2014), Video, auf Englisch

  31. Victory V100 The Duke: Demo plus Interview with Martin Kidd, Rob Chapman (2013), Video, auf Englisch

  32. VC35 The Copper, victoryamps.com, auf Englisch

  33. Sheriff 22, victoryamps.com, auf Englisch

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  35. Victory releases VX The Kraken, MusicRadar (2015), auf Englisch

  36. Victory Amplification launches V45 The Count, victoryamps.com (2014), Kopie in der Wayback Machine, auf Englisch

  37. CV4014, The Valve Museum, auf Englisch

  38. The PowerValve 200, victoryamps.com, auf Englisch